Black Box: Die 'Trainingsseite' wird auf dieser homepage am häufigsten angewählt. Offensichtlich interessiert den Sportler nichts mehr, als die Frage nach der richtigen Form des Übens. 

 

(Vorsicht, Kalauer...) Habe gerade heute mit dem Mitarbeiter eines europäischen olympischen Komitees gesprochen. Dort waren afrikanische Mittelstreckler der Weltklasse zu Gast. Mit großem Staunen haben sie die Trainingspläne, Kraftmaschinen, Messapparaturen und Ernährungspläne der Läufer hier kennengelernt. Anschließend haben sie den Strukturplänen der Sportdirektoren und Cheftrainer zugehört.

   Zum Schluss wurden die schwarzen Asse gefragt, ob sie daheim ähnliche oder andere, vielleicht völlig neue Verfahren hätten?

 

   "Nein", lautete die Antwort, "wir laufen nur." 

   

Peter Hellenbrand, NL, 5ter Luftgewehr in London
Peter Hellenbrand, NL, 5ter Luftgewehr in London

Üben und trainieren

    Wenn man etwas besonders gut machen will, dann sollte man vorher üben. Je mehr und je besser man geübt hat, desto günstiger sind die Aussichten bei der Bewährungsprobe. Ganz egal, ob es sich um einen Rechentest, eine Führer-scheinprüfung oder um eine Meisterschaft handelt.

   Im Leistungssport hat der Übungsprozess eine besondere Bedeutung, weil es nicht reicht, im guten Mittelfeld zu landen. Im Wettkampf zählt nur der Sieg, das Training wird damit zu einer existentiellen Angelegenheit.

   Gerade im Schießsport ist das mit dem 'richtigen' Training gar nicht so einfach. Mancher übt häufig und lange, kommt aber trotzdem kaum weiter. Die Form kann sich sogar verschlechtern, wenn man zu verbissen oder zu viel schießt. Ganz übel wird es, wenn man den Bewegungsablauf falsch einstudiert und diesen Fehler häufig wiederholt.

   Das sportliche Schießen in Wettbewerben ist eine Sache der Koordination. Halten, Zielen und Auslösen müssen ineinander greifen, wie ein gut geöltes Uhrwerk. Dazu muß jedes einzelne Element ordentlich ausgeführt werden, danach soll der Gesamtablauf synchronisiert werden.

   Das lässt sich leicht aufschreiben, ist in der Realität aber gar nicht so einfach. Selbst die besten Schützen der Welt gönnen sich hin und wieder einen Patzer - und sogar die größte Lusche trifft mal ins Zentrum.

   Wie das richtige oder ideale Training für einen Schützen aussieht, lässt sich  nicht so leicht beantworten. Während man in Kraft- oder Ausdauersportarten auf bestimmte Gesetzmäßigkeiten vertrauen kann, scheint beim Scheibenschießen vieles zu funktionieren (oder eben nicht!).

   Tatsache ist, das die absolute Mehrheit der mir bekannten Schützen hauptsächlich nichts anderes tut, als Programme zu schießen. Ganz egal, ob Indien, Norwegen, Brasilien oder Bayern: Geschossen werden 40, 60 oder 120 Schuss mit Blick auf das Ergebnis.

    Wenn also Trainingsreize vermittelt werden sollen, dann hat das innerhalb dieser Programme zu geschehen.

- Zum Beispiel durch besondere Konzentration des Schützen auf ein   bestimmtes Detail ( > Auslösen,...),

- durch Rückmeldungen des Trainers zu einem Detail ( >"...du ziehst wieder ab wie 'ne Wildsau...") oder

- durch den Einsatz etwa eines SCATT's, der die Auslösekurve als blaue Linie zeigt, die man zu ändern sucht.

 

   Wer Leistungssport betreibt, muss bei seinem Training noch ein weiteres Problem im Auge behalten: Die Steuerung der Leistungskurve auf den Tag X hin. Steigende Resultate und persönliche Rekorde bedeuten wenig, nur das Abschneiden beim Zielwettkampf zählt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Valentina Turisini, Silber im 3 x 20 Schuss Dreistellungskampf bei den olympischen Spielen in Athen 2004.

Der charmanten Italienerin gelang meist nur ein Wettkampf pro Saison. Den wußte sie aber zur richtigen Stunde zu präsentieren! 

Drei Elemente, Material und Nerven

   Die Formung der richtigen Bewegungsabläufe, ihre Koordination und die Steuerung der Form auf den Zielwettkampf hin sind die drei wesentlichen Elemente des Trainingsprozesses. Hinzu kommt die Auswahl und Einstellung der Ausrüstung, des Laufes und der Munition. Mancher betont zusätzlich noch die Widerstandfähigkeit des Nervenkostüms...

   Ein effektives Training sollte diese Bereiche erfassen und sie systematisch entwickeln. Wie das in der Theorie aussieht, haben wir in unseren Büchern dargestellt. Auch wie die entsprechenden Übungen dazu verlaufen, kannst du dort in Wort und Bild erfahren.

   Unten findest du die Inhaltsangabe unseres Buches 'Luftgewehrschiessen'. Diese Aufstellung zeigt die gegenwärtig gültigen Trainingsbereiche und gliedert sie in systematische Zusammenhänge.  

 

 

 

Kniendanschlag Ivana Maksimovic
Kniendanschlag Ivana Maksimovic

Den größten Teil der ersten 114 Seiten dieses Buches nimmt das Thema 'Zielen' ein. Das wird die meisten verblüffen, entspricht aber der Bedeutung dieses Vorgangs.

In der zweiten Hälfte des Buches nimmt die 'Trainingsplanung' viel Raum ein. Auch diese Aufgabe wird völlig unterschätzt...

   Der beeindruckenste Wettkampf der letzten Jahre war für mich der Dreistellungskampf von London 2012. 41 Männer in Top Form, aber ein unberechenbarer Wind, der nicht nur seitlich sondern auch von vorn und über die Köpfe der Schützen hinweg zupackte. Immer wieder unerklärliche Treffer, manchmal genügten 5 unglückliche Schüsse, um aus einer Finalplatzierung ins Mittelfeld zu fallen.

   Mitten in dieser Schlacht war einer, dem weder Wind noch Nerven etwas anhaben konnten: 1180, 11 mal 9,9, Olympischer Rekord, mit 8 Ringen Vorsprung ins Finale. Es war der Tag des Nicco Campriani, nach Silber mit dem Luftgewehr gelang dem Florentiner der überlegene Sieg in der Königsdisziplin. Kein Zufallstreffer übrigens. Seine Trainerin weiß, das niemand härter und zugleich selbstkritischer trainiert.

Geschafft: Trotz Kälte, Wind und einer Krise am Anfang hat Nicco seine heikelste Position, das Kniendschießen, mit überragenden 394 Ringen abgeschlossen. Dafür hat er in den letzten Beiden Jahren alles in die Waagschale geworfen und kompromißlos gearbeitet.