BALANCE
BALANCE
   Wenn man den eigenen Körper im mechanischen Gleichgewicht hält, dann ‚balanciert‘ man ihn. Im Stehen sind etwa 1% der Muskulatur mit der Regulation dieser Haltung beschäftigt,eineVielzahl von Rezeptoren, unsere Augen und verschiedene Hirnregionen steuern das Gleichgewicht.
   
Dabei steht ein Mensch niemals wirklich ruhig, bei genauerem Hinsehen befindet er sich in immer währenden Schwankungen. Aktivitäten wie Gehen, Rennen oder der Weg über ein Seil verlangen zunehmende Balance-Ferigkeiten. Auch wer im Laufen einen Ball treffen will, benötigt besondere Koordination.
   
An die Balance des Gewehr- und des Pistolenschützen werden sehr spezielle Anforderungen gestellt. Sie befinden sich zwar in einen stabilen Grundhaltung, diese gilt es allerdings mit maximaler Präzision zu regulieren. Während der Zielphase soll die Waffe möglichst wenig Bewegung zeigen. Im Idealfall würde sie absolut unbewegt sein. So als läge sie auf einer Unterlage.
   
Die Praxis zeigt, das ein Schütze seine Waffe im sportlichen Anschlag niemals völlig ruhig halten kann. Zwischen guten und weniger guten Schützen gibt es allerdings erhebliche Unterschiede hinsichtlich der ‚Halteruhe‘. Messungen mit dem SCATT zeigen Spitzenwerte knapp über 6mm pro Sekunde auf 10 Meter Entfernung (gelbe Kurve) bei Luftgewehrschützen. Anfänger schwanken mit bis zu 70 mm, Fortgeschrittene um 25 mm. Das bedeutet einen 10 mal geringeren Wert für intensiv geübte Sportler, die Balance ist also in hohem Maße trainierbar.
   
Zwischen der Haltefähigkeit eines Schützen und seinen Ergebnissen bestehen hohe Übereinstimmungen. Je ruhiger ein Athlet hält, desto höher seine Resultate. Der einzelne erzielt in Phasen ruhigeren Haltens bessere Treffer als in beweglicheren. Die Balance deines Anschlages ist also ein zentraler Leistungsfaktor. Wer seine Standruhe verbessert, wird normalerweise auch mehr treffen. Damit wird das Training der Balance zu einem interessanten Faktor. Was kann ich tun, um meine Schwankungen durch gezielte Übungen zu verbessern?
   
Anleitungen zur allgemeinen Balance werden in der Sport- und Fitnessliteratur ausgiebig beschrieben. Viele traditionelle Übungen wie das ‚Stehen auf einem Bein‘ oder die ‚Standwaage‘ dienen der Ausbildung des Gleichgewicht-Empfindens und der ausführenden Muskeln. Eine gute Einführung findest du zum Beispiel hier: https://www.turn-on.de/lifestyle/topliste/8-uebungen-die-gleichgewicht-koordination-trainieren-274140. Wenn du diese Übungen probierst, wirst du zunächst herausfinden, wie es grundsätzlich um deine Standfestigkeit bestellt ist. Falls Sie nur mäßig ist, werden dir systematische Wiederholungen zu einer verbesserten Grundfertigkeit verhelfen. 

Eine extreme Steigerung der allgemeinen Balance, wie sie von manchen Sportschützen betrieben wird, dürfte allerdings kaum zu nennenswerten Verbesserungen der Halteruhe führen. Ähnlich wie bei erhöhtem Kraft-, Ausdauer- oder Beweglichkeitstraining sind keine realen Vorteile für den Bewegungsablauf des Schusses zu erwarten. 

Eine Überdimensionierung der Muskulatur und der Kreislaufkapazitäten kann sogar negative Konsequenzen für die Proportionen und die Ruhe des Anschlags mit sich bringen. So erlaubt ein erhöhter Umfang des Oberarms meist keine entspannte Stellung des linken Arms im Stehendanschlag, auch die Koordination größerer Muskelmassen ist komplizierter.

Für die speziellen Erfordernisse des Stehendschießens ist es wichtiger genau die Fertigkeiten aufzubauen, die während des Programms benötigt werden. Dazu genügen mittlere Kraft- und Ausdauerleistungen sowie eine normale Beweglichkeit. Für die Koordination und insbesondere die Balance- und Halteruhe versprechen spezielle Übungsformen effektive Vorteile.